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Bedeutet Teilzeit das Aus für Ihre Karriere?

Von Gabriele Kaier, 25.06.2018, Lesezeit ca. 8 min.

Teilzeitarbeit liegt voll im Trend. Sei es um Familie und Beruf besser zu vereinbaren, eine weiterführende Ausbildung absolvieren zu können oder schlicht der Wunsch nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Aber ist eine Teilzeit-Tätigkeit auch förderlich für die Karriere? Was Sie unbedingt beachten sollten, wenn Sie vorhaben in Teilzeit zu gehen:

Von allen Erwerbstätigen sind in Österreich 2017 28,7% in Teilzeit tätig. Dieser Anteil ist seit 1994 stetig angestiegen. Teilzeitarbeit ist vor allem weiblich: 2017 sind 47,7% aller erwerbstätigen Frauen in einer Teilzeitbeschäftigung. Der Anteil der Männer aller Erwerbstätigen hat sich zwar seit 1994 mehr als verdoppelt, beträgt aber nach wie vor nur 11,9% (2017).  (statista)

In absoluten Zahlen waren 2016 österreichweit von etwa 3,7 Millionen Erwerbstätigen circa 1,1 Millionen im Teilzeitstatus beschäftigt. Darunter befanden sich circa 200.000 Männer und circa 860.000 Frauen.

Motive für das Arbeiten in Teilzeit sind vielfältig

Der Trend zur Teilzeit fällt in der Öffentlichkeit zwiespältig aus. Auf der einen Seite erscheint Teilzeit positiv besetzt und bietet die Möglichkeit Beruf und Familie zu vereinen. Auf der anderen Seite wird Teilzeit auch mit ökonomischer Abhängigkeit von einem Partner und der Fortschreibung einer strukturell ungleichen Arbeitsmarktintegration zwischen den Geschlechtern in Verbindung gebracht.

Beim Trend zu Teilzeit handelt es sich aber auch um eine individualisierte Form der Arbeitszeitverkürzung und im Hinblick auf Potentiale für eine zukünftige emanzipatorische Arbeitszeitgestaltung. (ISW-Studie)

Ist Karriere in Teilzeit möglich?

Hierbei sollte man sich zuerst einmal die Frage stellen, was Karriere überhaupt bedeutet: Man kann zwischen objektivem und subjektivem Karriereerfolg unterscheiden. Objektiver Karriereerfolg beinhaltet nachvollziehbare Komponenten wie Einkommen, Aufstieg oder Führungsverantwortung. Subjektiver umfasst “weiche” Komponenten wie Zufriedenheit oder Glücksgefühl.

Natürlich werden Sie in Teilzeit weniger verdienen als bei einem Vollzeitjob. Das Führen von Mitarbeitern wird erschwert, wenn man nicht ständig im Büro anwesend ist. Aber, wo ein Wille, da ein Weg.

Wie Karriere auch in Teilzeit möglich ist und was Sie dabei unbedingt beachten sollten, zeigen wir Ihnen hier:

Karriere in Teilzeit – das sollten Sie beachten

Überprüfen Sie die Unternehmenskultur

Beobachten Sie Ihre KollegInnen und Vorgesetzten genau: Ist Anwesenheit in Ihrem aktuellen Unternehmen alles? Im deutschsprachigen Raum herrscht großteils noch immer die Präsenzkultur vor. Das bedeutet, dass Sie sich gute Argumente zurechtlegen müssen, um Ihren Arbeitgeber von Ihren Plänen zu überzeugen. Dokumentieren Sie Ihre Erfolge der letzten Jahre und betonen Sie die Wichtigkeit der Ergebnisse in Ihrer Arbeit.

Überlegen Sie, auf welche Stundenanzahl Sie reduzieren möchten. In den meisten Unternehmen lässt sich Downshiftung auf bis zu 80 % der ursprünglichen Arbeitszeit sehr gut durchsetzen. Unter Umständen ist Ihr Arbeitgeber auch offen für eine Tandemlösung, bei der Sie sich Ihre Verantwortlichkeiten mit einer zweiten Person teilen.

Achten Sie auf Ihre finanziellen Möglichkeiten

Gleiche Arbeitsqualität bei weniger Gehalt – das ist eine der Schattenseiten der Teilzeitarbeit. Ein Gehaltsverzicht bei Stundenreduktion ist unvermeidbar.

Aber auch wenn dieser Zeitpunkt noch in weiter Ferne scheint: Teilzeitarbeit kann massive Auswirkungen auf Ihre Pension bzw. Rente haben. Es empfiehlt sich daher, vorher auszurechnen, welche Stundenreduktion Sie sich wirklich leisten können und wollen. Loten Sie die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge aus. Binden Sie Ihre/n PartnerIn in die Planung ein, aber achten Sie darauf, dass Sie Ihre geplanten Schritte auch alleine mit gutem Gewissen setzen können.

Denken Sie langfristig

Wie lange möchten Sie in Teilzeit arbeiten? Wie soll sich Ihre Karriere entwickeln? Wenn Sie wissen, dass Sie nach einem bestimmten Zeitraum wieder auf Vollzeit aufstocken möchten, sollten Sie das unbedingt mit Ihrem Arbeitgeber zusammen schriftlich festlegen. In einigen Unternehmen gilt nämlich immer noch: Zuerst muss man um die Teilzeit betteln, dann um die Rückkehr zu einer Vollzeitstelle. Zeitgemäß ist das freilich nicht – um bösen Überraschungen aus dem Weg zu gehen, sorgen Sie lieber mit einem guten Plan vor!

Bilden Sie sich weiter

… und zwar nach Möglichkeit unternehmensintern! Wer in der Weiterbildungsschiene bleibt, bleibt auch im Bewusstsein der Personalverantwortlichen. So stellen Sie sicher, dass Sie bei neuen Karrieremöglichkeiten berücksichtigt werden. Wenn Ihr Unternehmen nur unregelmäßig oder selten interne Fortbildungen anbietet, suchen Sie gezielt im Rahmen von anderen Veranstaltungen, zum Beispiel Betriebsausflügen, den Kontakt mit den Personalverantwortlichen.

Bleiben Sie wachsam!

Besonders Frauen in Teilzeit landen rasch auf dem Abstellgleis. Von KollegInnen und Vorgesetzten werden Sie unter Umständen als weniger ehrgeizig und engagiert empfunden, ganz unabhängig von der Realität. Vorurteile dieser Art sind unangenehm. Seien Sie sich aber bewusst, dass Sie die Wahrnehmung Ihrer KollegInnen beeinflussen können. Ihre größte Unterstützung dabei ist eine gute Planung, besonders, wenn Sie Kinder haben, und ein gutes Gewissen.

Sie haben ein wichtiges Meeting, dass Sie dringend pünktlich beenden müssen, damit Sie Ihr Kind von der Schule abholen können? Entschuldigen Sie sich nicht! Kündigen Sie rechtzeitig an, dass Sie nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit verfügbar sind und Sie daher eine effiziente Besprechung erwarten. Bereiten Sie sich gut auf das Meeting vor und verlassen Sie es zum angekündigten Zeitpunkt. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen Ihr Kind als Nachteil ausgelegt wird, legen Sie kurze berufliche Termine auswärts fest, aufgrund derer Sie das Meeting verlassen müssen, zum Beispiel eine Stippvisite bei einem Kunden.

Job-Sharing und Teilzeit-Führungsmodelle

Teilzeitkräften traut man vielfach nicht zu, Aufgaben mit größerer Verantwortung zu übernehmen. Doch durch eine familienfreundliche „Meeting Policy“, die regelt, dass Zusammenkünfte nicht an Tagesrandzeiten stattfinden und Teleworking können es möglich machen, dass Sie Jobs mit Führungsverantwortung auch in Teilzeit ausüben können. Das kommt vor allem Frauen entgegen, die nach der Karenz rasch wieder in den Beruf einsteigen und in ihrer alten Position tätig sein wollen.

Ein weiteres Modell ist das Job-Sharing: Hierbei teilen sich zwei oder mehr Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz auf, wobei sie ihre Arbeitszeit individuell festlegen. Führung hat sich besonders in den letzten Jahren stark gewandelt, neue Formen sind gefordert. Die direktive Führung, die voraussetzt, dass alle Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten an ihrem Arbeitsplatz anwesend sein müssen, gehört immer mehr der Vergangenheit an. Nicht zuletzt ermöglichen technologische Möglichkeiten komplett neue Arbeitswelten. Das Modell der Teilzeit-Führungskraft geht mit diesen Entwicklungen Hand in Hand und hat den Vorteil, dass keine Kompetenz in der Firma ungenutzt bleibt. Unternehmen tun also gut daran, Teilzeitarbeit attraktiv zu machen. Nicht zuletzt, weil dem Arbeitsmarkt sonst viele hoch qualifizierte Frauen verloren gehen. Und mit diesem Bewusstsein und Argumenten sollten Sie in Verhandlung um eine Teilzeit-Führungsstelle gehen.

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