Wie Millennials Unternehmen auf die New Economy vorbereiten- Experteninterview

Jeder Transformationsprozess ist immer zugleich auch eine unternehmenskulturelle Herausforderung und betrifft sowohl Organisationsstrukturen als auch Führungsprozesse. Wem es bei der digitalen Transformation nicht gelingt die Menschen mitzunehmen, der wird scheitern. Wer hierbei helfen kann, ist die Millennial-Generation: Die Millennials - Generation Y - definieren die Zukunft, als auch den Handlungsspielraum, den Anbieter darin haben. Wie das gehen kann, erzählt uns Alex T. Steffen, Unternehmensberater mit Fokus auf Innovation und Digitale Transformation.

Unternehmen müssen sich daher fit und attraktiv für die Arbeits-, Kauf- und Lebenswelt dieser Generation machen. Schaffen können sie dies, indem sie sich von der Generation Y gezielt helfen lassen. Denn den Millennials, auch Digital Natives genannt, gehört die Zukunft. Wie das konkret gehen kann, erzählt uns Alex T. Steffen, Unternehmensberater mit Fokus auf Innovation, Digitale Transformation und New Economy.

Über Millennials und die Anforderungen der New Economy – Interview mit Alex T. Steffen

Herr Steffen, wie funktioniert das Business der Zukunft und warum brauchen herkömmliche Unternehmensstrukturen die Millennials dafür?

Aus den vernetzten Startup-Schmieden und von wagemutigen Jungunternehmern kommen die Ideen, die nicht nur alles digitalisieren, sondern die Welt so schnell und umfassend verändern wie niemals zuvor. Gegen das schlanke, smarte, findige, und unverfrorene Vorgehen der Millennials haben die traditionellen Vordenker mit ihrer Absicherungsmentalität, ihren langatmigen Expertenrunden und ihren behäbigen Entscheidungsprozessen nicht den Hauch einer Chance.

Sie können zwar oftmals mit besseren Gehältern bestechen und mehr “Benefits” bieten, doch die meisten hands-on Positionen mit steiler Lernkurve und reichlich Zukunftsbezug bieten erfahrungsgemäß die Startups. Sie offerieren außerdem zumeist den Lifestyle, den sich viele Millennials nicht mehr wegdenken können.

Es werden sich immer noch massig Digital Natives für eine Konzernkarriere entscheiden. Doch mehr und mehr Startups rücken in den Fokus der (jüngeren) Fachkräfte. Das ist der Grund warum eine ernst gemeinte digitale Transformation in Gesellschaft und Wirtschaft die Digital Natives – die Millennials – braucht.

Wie kann die Millennial-Generation etablierten Unternehmen dabei helfen ein zukunftsfähiges Unternehmen zu werden?

Moderne Konsumenten erwarten Relevanz, Zugang zu etwas von Wert und einen offenen Dialog mit jemandem, den sie als authentisch wahrnehmen. Wer ihnen etwas verkaufen will, muss ihnen das jeweils bestmögliche Serviceerlebnis bieten. Alles andere ist nicht von Belang. Wer in seinem Unternehmen oder Netzwerk junge Mitarbeiter hat, hat einen entscheidenden Vorteil: Sie sind die idealen Berater, wenn es um digitale Kundenerlebnisse geht. Sie können eine gegebene Marktsituation detailliert analysieren und wertvolle Empfehlungen geben.

Um sich das zunutze zu machen, muss man Millennials aber auch konsultieren – und auf sie hören.

Genauso finden Sie erstens die Marktlücken von morgen und sind zweitens gegenüber Ihrer Konkurrenz besser aufgestellt. Vor allem aber werden Sie nicht von neuen Marktteilnehmern überrundet, die die Bedürfnisse der Millennials besser verstehen als Sie. Sollten Sie einen vielversprechenden Vorschlag von einem jungen Mitarbeiter erhalten, dann übertragen Sie ihm auch gleich die Verantwortung für diese Idee. Millennials lieben es, an Aufgaben zu wachsen. Und die Geschichte des erfolgreichen “Side Project” ist schon längst keine Einzelheit mehr.

Was können etablierte Unternehmen von Millennials lernen?

Mit Werkzeugen von gestern kann die Zukunft nicht geschaffen werden. #ADCD: Organisationen agiler, digitaler, kollaborativer und disruptiver zu machen. Das ist unser Ansatz für Zukunftsfähigkeit.

Bei alldem ist eines ganz klar: Auf der Reise in die Zukunft braucht es nicht nur helle Köpfe, sondern auch leichtes Gepäck. Für Planzahlspiele, Budgetierungsexzesse und Irrläufe im Regulierungsgeflecht bleibt keine Zeit. Je schwerfälliger eine Organisation, desto anfälliger ist sie für Überholmanöver. Von daher ist zunächst eine Transformation in einen fluten Zustand vonnöten. Alles, was eine Organisation langsam macht, muss weg. Und alles, was sie schnell macht, muss her. Wir denken in Plattformen und vom Kunden her. Das macht die Entwicklung von Produkten und Geschäftsmodellen schneller und die Produkte meist relevanter.

Wie ticken Millennials, wie arbeiten sie, welches Umfeld brauchen sie um produktiv zu sein?

Ältere Generationen pflegen eine rege Absicherungsmentalität. Das merke ich besonders im Austausch mit Freunden und Kunden aus anderen Ländern. Natürlich ist Due Diligence wichtig. Besonders in der Medizinbranche und der Verwaltung. Dennoch übertreiben viele ältere Semester und werden dann in unserer schnelllebigen Ökonomie leicht überholt.

Millennials arbeiten selbstbestimmt, kreativ und collaborativ. Sie haben eine relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne und akzeptieren nur Führung auf Augenhöhe an. Das macht unberechenbarer aber gleichzeitig auch wesentlich agiler.

Wir brauchen Arbeitsplätze die Führung durch Vertrauen, räumliche Flexibilität und Individualität betonen. Bei Apple tragen Mitarbeiter einen Pin, der ihre Leidenschaft ausdrückt. Zum Beispiel trägt Sandra im Apple Store in Berlin ein Kamera-Pin, der ihr Hobby der Fotografie widerspiegelt. Diese simple Initiative schafft Persönlichkeit und eine entspanntere Arbeitsatmosphäre. Denn die Mitarbeiter fühlen sich in ihrer Individualität anerkannt und bekommen die Gelegenheit sich zu ihrer Passion auszutauschen und zu vernetzen. Daran können sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen.

Welche Miteinander-Initiativen lassen sich daraus starten, welche Businessmodelle daraus ableiten?

Tatsächlich geht es um das Brückenbauen. Aus meiner Sicht wird die Verknüpfung von Jung und Alt Unternehmen zukunftsfähiger machen und für die New Economy vorbereiten. Mit Reverse Mentoring können die erfahrenen Manager von den Millennials digitale Expertise lernen, die äußerst wichtig ist, um in der digitalen Wirtschaft als Vorbild wahrgenommen zu werden. Gemeinsam können individuelle Lernreisen (custom learning journeys) für Führungskräfte entworfen werden, statt jeden mit den gleichen Inhalten und Formaten zu bespielen.

Ein zentrales Geschäftsmodell der Zukunft ist die Plattform-Ökonomie. Die Millennials als erfahrene Nutzer und Entwickler dieses Ökosystems können ideale Berater der Old Economy werden.

Vielen Dank für das Interview zu Millennials in der New Economy!

Alex T. Steffen sieht zwei Gründe, weshalb Unternehmen bei der digitalen Transformation hierzulande womöglich den Anschluss verpassen: Erstens, weil diese die junge Generation Millennials nicht gezielt als Zukunftsgestalter nutzen und weil sie in ihren alten Strukturen verharren.

Ein Unternehmen wird nur vorankommen, wenn es von den Treibern des ökonomischen Wandels lernen will. Die Millennials können den etablierten Marktplayern helfen, sich auf die immer schnelleren Zyklen der Zukunft vorzubereiten: agiler zu werden, digitaler zu denken, kollaborativer zu handeln und Disruptives zu wagen. Genau das werden die Erfolgsparameter der New Economy sein.

Zur Person:
Alex T. Steffen ist Unternehmensberater mit Fokus Innovation und Digitale Transformation. Er hilft Unternehmen durch seine Keynotes und Workshops dabei in Zeiten des Wandels agiler und robuster zu werden. Er vernetzt als Organisator von 12min.me Berlin Entscheider der Old Economy mit High Potentials der New Economy. Gemeinsam mit Anne M. Schüller hat er den Bestseller “Fit für die Next Economy. Zukunftsfähig mit den Digital Natives” verfasst.

Über TimeTac

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