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Jobsharing: Sich gemeinsam eine Arbeitsstelle teilen

Von Gabriele Kaier, 09.05.2017, Lesezeit ca. 8 min.

Dank Teilzeitbeschäftigung lassen sich Beruf und Familie besser vereinbaren. Aber diese Beschäftigungsform bringt auch eine Reihe von Nachteilen mit sich. Hochqualifizierte Mitarbeiter müssen sich meist mit unbefriedigenden Stellen begnügen. Neue Formen der Diskriminierung zwischen Männern und Frauen scheinen aufzukommen, berücksichtigt man den großen Anteil von Frauen in Teilzeitbeschäftigung. Die Teilung einer Arbeitsstelle, das sogenannte Jobsharing, stellt hierbei ein alternatives Arbeitsmodell dar. Es bietet sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern zahlreiche Vorteile und kann ein Weg in Richtung Vollzeit mit Teilzeitpensum sein. Erfahren Sie in diesem Artikel was Jobsharing für alle Beteiligten bringt und wie es in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann.

Was ist Jobsharing?

Zwei oder mehrere Mitarbeiter teilen sich eine Vollzeitstelle mit voneinander abhängigen Aufgaben und gemeinsamer Verantwortlichkeit. Haben gemeinsame Ziele und arbeiten sehr eng als Team zusammen. Die Arbeitszeiten und Aufgaben legen sie individuell untereinander fest. Der Begriff “Topsharing” bezieht sich auf Jobsharing in Positionen mit höherer Verantwortung, die auch Mitarbeiterführung einschließen kann. Laut einer Arbeitsmarktstudie von 2014 unter 1.200 befragten HR-Managern in Europa gehört Jobsharing im europäischen Durchschnitt bei 25 % der Unternehmen zu den möglichen Arbeitsmodellen. Spitzenreiter in Europa ist Großbritannien: Fast die Hälfte (48 %) der britischen Arbeitgeber ermöglichen ihren Mitarbeitern das Teilen einer Arbeitsstelle. In Österreich ermöglichen nur 22 % der Arbeitgeber das Teilen einer Stelle, in deutschen Unternehmen lediglich 15%.

Was bringt Jobsharing?

Viele Menschen wünschen sich in bestimmten Lebensphasen mehr Zeit neben dem Job. Beispielsweise Zeit für die Familie, Weiterbildung, eigene Projekte oder ein Ehrenamt. Für Unternehmen ist Jobsharing ein proaktives Angebot um neue Zielgruppen anzusprechen und Mitarbeiter in jeder Lebenslage halten zu können: Es spricht junge Arbeitskräfte an, die sich für einen intergenerationellen Austausch einzusetzen, Frauen und Männer, die eine herausfordernde Stelle mit anderen Aktivitäten kombinieren möchten und ältere Angestellte, die gerne berufstätig bleiben, ihr Wissen weitergeben, aber gleichzeitig kürzer treten wollen. Eine Teilung der Arbeitsstelle hat auch gesellschaftliche Vorteile, denn interessante Stellen werden besser aufgeteilt und gewährleisten einen höheren Return of education. Und zwei Mitarbeiter können mehr als einer alleine, sie arbeiten als Team in enger Kooperation und enger Vernetzung von Wissen. Sie bringen unterschiedliche Stärken und Perspektiven, vielleicht auch noch zwei Netzwerke in die Position ein und können sich im Urlaubs- und Krankheitsfall vertreten.

Die Vorteile auf einen Blick

Vorteile für den Arbeitnehmer:

  • Interessantere Vollzeitstellen werden auch für Teilzeitarbeitende zugänglich
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: eine interessante Stelle auf Teilzeitbasis ausüben, anstelle Vollzeitarbeit und Kinderbetreuung über Dritte
  • Enge Kooperation im Team macht Freude und ermöglicht das Lösen von hochqualifizierten Aufgaben sowie einen Austausch auf Augenhöhe
  • Gemeinsame Verantwortung und Entscheidungsfindung
  • Erleichterte Vertretung bei Urlaub und im Krankheitsfall
  • Ermöglicht eine berufliche Wiedereingliederung
  • Intergenerationelles Jobsharing: Aufwertung der Kompetenzen von Senioren, schnellere Eingliederung junger Menschen

Vorteile für den Arbeitgeber:

  • Höhere Produktivität und weniger Abwesenheit: zwei Personen mit reduziertem Pensum arbeiten laut Studie produktiver
  • Effiziente Entscheidungsfindung, ausgereiftere Entscheidungen durch intensiven Austausch
  • Mehr Erfahrungen und Kompetenzen durch die Zusammenarbeit
  • Zwei spezialisierte Mitarbeiter zum Preis von einem
  • Durchgängige Präsenz, leichtere Vertretung
  • Erhöhtes Innovationspotenzial aufgrund Gedankenaustausch
  • Gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit: loyale Mitarbeiter, geringere Fluktuation, geringeres Risiko für Burnout
  • Wahrung von Know-how durch Jobsharing zwischen Generationen
  • Flexiblere Arbeitsbedingungen, attraktives Unternehmensimage, dem Wertewandel der jungen Generation entsprechen
  • Erweitertes Netzwerk durch zwei berufliche Netzwerke
  • Wirkt dem Fachkräftemangel entgegen

Voraussetzungen für ein Gelingen

Der Erfolg von Jobsharing hängt von den Personen, die es praktizieren und natürlich von ihrer Eignung für Teamarbeit ab. Eigenwillige Persönlichkeiten oder Personen, die sich schwer tun Informationen und Macht zu teilen oder sich für unersetzlich halten, können keine erfolgreiche Teilung einer Arbeitsstelle praktizieren. Die Zusammenarbeit von zwei beruflichen Partnern geht über gewöhnliche Teamarbeit hinaus: Ergebnisse werden gemeinsam bewertet und bedürfen einer großen örtlichen und intellektuellen Nähe. Sollte sich einer von beiden in der Anfangszeit dominant erweisen, könnte dieses Verhalten die Zusammenarbeit in Zukunft negativ beeinflussen. Geeignet sind Mitarbeiter, die gerne im Team arbeiten, die flexibel sind, eine offene Geisteshaltung haben, gemeinsame Werte, Großzügigkeit, ein kritisches Urteilsvermögen, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und falls erforderlich einen konstruktiven Umgang mit Konflikten.

Verschiedene Organisationsformen der Arbeitsstellen

Beim Jobsharing teilen sich zwei Arbeitnehmer die Arbeit einer Vollzeitstelle. Dieser Regelung liegt ein von ihnen erstellter Arbeitszeitplan zugrunde. In der Praxis kann es zu folgenden Jobsharing-Modelle kommen:

  • Jobsplitting: Für Arbeitsstellen, die in Halbzeitstellen aufgeteilt werden können, die Mitarbeiter ergänzen sich bestenfalls komplementär
  • Jobpairing: eignet sich für Arbeitsstellen, die weniger klar aufgeteilt werden können. Die Mitarbeiter sind hierbei untereinander austauschbar, zwei Unterkategorien: “Reines Jobsharing”: ein Arbeitsvertrag für 2 Arbeitnehmer, gänzliche Austauschbarkeit beider Mitarbeiter, ein einziges Email-Konto für sämtliche Dossieres “Hybrides Jobsharing”: 2 Einzelverträge, informelle Aufteilung der Dossiers zwischen zwei Mitarbeitern, einige Aufgaben sind voll austauschbar und beide tragen gemeinsam die Verantwortung. Hybrides Jobsharing entspricht derzeit der aktuellen Tendenz am Arbeitsmarkt.

Je nach Modell, können die rechtlichen Folgen variieren.

Rechtlicher Rahmen

In Österreich und der Schweiz gibt es bisher keine speziellen gesetzlichen Bestimmungen oder Rechtssprechungen zum Jobsharing. Da bis dato kein spezifischer Vertrag vorhanden ist, können die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf einzelvertraglicher Ebene geregelt werden. Der Arbeitgeber ist berechtigt, besondere Klauseln hinzuzufügen.

In Deutschland ist Jobsharing im “Teilzeit- und Befristungsgesetz”(TzBfG) vorgesehen. Das Prinzip der Arbeitsstellen-Teilung und dass die Partner zur Vertretung verpflichtet sind, wird in § 13 formuliert. Jobsharer können klassische Teilzeitverträge haben, Besonderheiten, die das jobsharing betreffen, können schriftlich in einem Dach- bzw. Zusatzvertrag festgehalten werden.

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