Warum wehren wir uns nicht gegen die Dauerberieselung, steigen aus dem Datenrausch aus und gönnen uns ein wenig mehr Stille? Weil unser Verhältnis zur Stille sehr ambivalent ist. Einerseits sehnen wir uns danach und andererseits fürchten wir uns davor.

Stille fällt vielen Menschen sehr schwer. Sie hat etwas Bedrohliches, sie kann ein Gefühl der inneren Leere und Einsamkeit hervorrufen und etwas, das wir ganz und gar unerträglich finden: die Langeweile.

Dieses Gefühl kompensieren wir mit Lärm – TV, Musik, Internet – sie liefern uns die Bestätigung dafür, dass wir existieren und darin liegt ein tiefer Trost. In den Sozialen Medien finden wir eine schwer fassbare Geborgenheit, allerdings um den Preis einer nie dagewesenen Zerstreuung.

Stille birgt ein riesiges Potential für uns. Aber wie können wir Stille erreichen, ohne einen radikalen Selbstversuch in der Natur zu starten? Und was bewirkt die Stille in uns?

Stille – was ist das?

Totale Stille ist unmöglich, ob in der Stadt oder tief im Wald, Geräusche um uns herum machen es unmöglich, dass völlige Stille möglich ist. Stille ist das Fehlen von beabsichtigten Lärm. Beabsichtigter Lärm sind Dinge, die wir aufdrehen wie TV-Geräte oder Musik, gesprochene Worte oder Worte, die wir hören und Lärm von Geräten und anderen Objekten.

Die konstante Zugänglichkeit und das permanente Ausgesetztsein von diesen Hintergrundgeräuschen hat zur Folge, dass sich viele vor Stille fürchten. Studien haben gezeigt, dass schon Kinder den Lärm benötigen und mit der Stille kämpfen.

Das ist ein gelerntes Verhalten, das nicht nur den Sozialen Medien geschuldet ist, die 24 Stunden abrufbar sind. Viele dieser jungen Menschen sind schon mit dem TV-Gerät aufgewachsen, das immer an war, auch wenn keiner aktiv zugesehen hat. Wenn Hintergrundgeräusche schon immer da waren, fällt es uns schwer, wenn diese nicht vorhanden sind.

Aber nicht nur junge Menschen haben Schwierigkeiten mit Stille. Pater Anselm Grün sagt: “In der Stille kommt das Wesen der Dinge zum Vorschein.” Und daher würden sich viele Leute vor der Stille fürchten, weil sie Angst vor innerer Wahrheit und Schuldgefühlen haben und dass das “ungelebte” Leben zum Vorschein kommt.

Wenn wir kein Fernsehen, Radio oder Internet haben, wenn es dunkel und ruhig ist wie zum Beispiel beim Urlaub auf dem Land abends, dann fühlen sich viele von uns unwohl und können nicht schlafen. Wenn wir uns in einer schwierigen Zeit befinden, uns Selbstzweifel quälen, Nervosität oder Angst haben, dann ist es das Letzte was wir uns wünschen, all die Medien abzudrehen, die uns von unserer Unsicherheit ablenken.

Aber wenn wir realisieren, dass Ablenkungen unsere Schwierigkeiten nur verschlimmern, dann können uns Zeiten der Stille helfen.

Die Englische Autorin Sara Maitland schreibt in ihrem Buch “A Book of Silence” nicht nur über ihr Leben auf Inseln, in Klöstern und in den Bergen. Sie berichtet auch über Erfahrungen anderer Menschen mit Stille. Sie schreibt, dass Stille die größte Auswirkung auf die körperliche Wahrnehmung hat. Alles klingt, riecht und schmeckt viel intensiver. Stille erzeugt Freiheit, Freiheit der Entscheidungen, innere Klarheit und Stärke. Freiheit von uns selbst und Freiheit wir selbst zu sein.

Mediator George Hofmann schreibt, wenn die Angst vor der Stille ein gelerntes Verhalten ist, können wir diese auch wieder umlernen. Und das können wir mit Meditation und Fokussierung erreichen.

Um fokussierte Aufmerksamkeit zu entwickeln, müssen wir uns mit der Erfahrung der Stille auseinandersetzen.

Ein Kurzanleitung zur Stille

Schalten Sie alles aus, gehen Sie zu einem möglichst ruhigen Platz, den Sie finden können und setzen Sie sich für ein paar Minuten hin. Nehmen Sie die Umgebung wahr. Fühlen Sie den augenblicklichen Moment und setzen Sie sich damit auseinander, was um Sie herum passiert.

Hofmann empfiehlt zu Beginn nur sehr kurze Perioden der Stille um sich daran zu gewöhnen. Schalten Sie das TV-Gerät aus, wenn Sie nicht fern sehen. Fahren Sie im Auto ohne das Radio aufzudrehen. Gehen Sie mit dem Hund ohne iPod oder Telefon spazieren. Sie werden sofort die Vorteile spüren und die Stille wird Ihnen gut tun.

  • Nehmen Sie sich täglich 1 Stunde Zeit für Stille, ohne jegliche Unterbrechungen.
  • Nehmen Sie sich Zeit um zu hören. Werden Sie sich der Geräusch um sich herum wahr – beide, die inneren und die äußeren des Raums.
  • Hören Sie auf Ihren Atem – atmen Sie tief über den Bauch um die Anspannung zu befreien.
  • Anfänger sollten eine lange Stille-Periode vermeiden ohne psychotherapeutische oder spirituelle Führung. Zu Beginn reichen einige Minuten pro Tag.

Rituale der Stille

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Nehmen Sie sich mittags eine Auszeit

Menschen machen ihre Pausen viel zu unbewusst und nutzen sie nicht für eine wirkliche Auszeit. Nimm dir etwas Zeit und kehre in der Stille in dich ein. Blicke kurz zurück, was am Vormittag passiert ist, doch lass die Gefühle, Situationen und Gedanken an dir vorbeiziehen und schenke ihnen keine Aufmerksamkeit.

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Erleben Sie die Stille eines neuen Tages

Öffnen Sie am Morgen, noch bevor Sie ein Wort gesprochen haben, ein Fenster und atmen tief ein. Spüren Sie die noch ungebrochene Stille und die Reinheit des neuen Tages.

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Lassen Sie Stille zwischen den Tätigkeiten zu

Wenn Sie eine Tätigkeit, wie beispielsweise Aufräumen beendet haben, gehen Sie nicht sofort zur nächsten Tätigkeit über. Halten Sie kurz schweigend inne und atmen Sie dreimal kräftig ein und aus. Beim dritten Atemzug heißen Sie die anstehende neue Aufgabe mit einem Lächeln auf den Lippen willkommen.

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Spüren Sie die Stille des Schnees

Gehen Sie im Winter, wenn alles dick verschneit ist, in die Natur. Spüren Sie nach, wie still der Schnee alles macht: Er dämpft Ihren Schritt, den Widerhall, die Geräusche des Waldes. Spüren Sie den Frieden, der von ihm ausgeht.

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Zünden Sie eine Kerze an

Wenn Sie innerlich aufgewühlt sind, setzen Sie sich schweigend nieder und zünden Sie eine Kerze an. Erspüren Sie die Ruhe, die von ihrer Flamme ausgeht, und halten Sie alle Ihre Gefühle und Gedanken in ihr Feuer und lassen Sie sie in der Flamme der Kerze verbrennen.

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Alles darf genau so sein, wie es ist

Wenn Sie nach einem anstrengenden Tag das Gefühl haben, gegen Wände zu laufen und das Gefühl haben, gar nichts bewirken zu können, halten Sie inne und werden Sie still. Erlauben Sie allen Situationen genau so zu sein, wie sie gerade sind. Lassen Sie Ihre Anstrengungen los, nehmen Sie alles so an, wie es ist, und urteilen Sie nicht. So kann in Ihnen eine Ruhe entstehen, die Sie gelassener mit allem umgehen lässt.

Das moderne Leben wird immer lauter. Wenn wir lernen Zeiten der Stille zu verbringen, dann wird sich das positiv auf unsere psychische und physische Gesundheit auswirken.

Nur noch 4 Tage bis Weihnachten, Zeit den Lärm und die Hektik des Alltags zurückzulassen und die Stille bei uns einkehren zu lassen. Daher, schalten Sie die Geräusche ab und hören Sie in sich hinein.

TimeTac wünscht Ihnen und Ihrer Familie eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit!

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